Der Frühling steht vor der Tür und damit beginnt auch die Pflanzzeit. Sobald die Sonne raus kommt, sieht man wieder mehr Menschen in den Gärten oder auf dem Balkon. Mir kribbelt es nach dem langem Winter auch schon wieder in den Fingern, und ich fange an die ersten Pflanzen vorzuziehen. Dabei ist es wichtig auf gutes Saatgut zu achten. Warum das so ist, will ich euch heute berichten. Dazu muss man wissen, dass die meisten Gemüsesamen, die man im konventionellen Handel bekommt, inzwischen zum größten Teil Hybride sind. Das erkennt man in der Regel an der Bezeichnung „F1“, auf den Saattütchen.

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Hybrid-Saatgut

Hybridsorten sind sogenannte „Einmalsorten“. Ihr Saatgut ist so gezüchtet, dass sie einen möglichst hohen und einheitlichen Ertrag erwirtschaften. Zum Teil werden die Pflanzarten auch mit Hilfe von Gentechnik für das Hybridverfahren erschlossen. Das Saatgut einer Hybridsorte kann nicht mehr weiter vermehrt werden und muss jedes Jahr neu gekauft werden. Jahrhunderte lang galt das Saatgut als öffentliches Gut, doch seit der Verbreitung der Hybride wurde es zu einem lohnenden Geschäft. Besonders deutlich wird das, wenn man beachtet, dass die zehn größten Saatgutunternehmen  der Welt heute 70 % des Handels beherrschen. Ein Großteil der bewährten, samenfesten Gemüsesorten wird so nicht mehr gepflegt und wird von den Hybriden verdrängt. Nach Einschätzungen der Welternährungsorganisation FAO sind dreiviertel der im Jahre 1900 verfügbaren Sortenvielfalt verloren gegangen.

Samenfestes Biosaatgut

Das finde ich sehr erschreckend. Aufgrund dieser Tatsachen ist es umso wichtiger sich für samenfestes, biozertifiziertes Saatgut zu entscheiden. Sein Vorteil ist, dass es seine Eigenschaften von Generation zu Generation weitergeben kann. So könnt ihr euer eigenes Saatgut fürs nächste Jahr ziehen und mit etwas Geschick noch verbessern und euren eigenen Bedingungen anpassen. Häufig sind ältere Gemüsesorten sogar besonders aromatisch und lassen sich länger lagern. Um die Vielfalt der verschiedensten Gemüsesorten zu erhalten, sollten wir auf jeden Fall zu den samenfesten Sorten greifen und vielleicht auch mal altes Gemüsesaatgut zum Sortenerhalt ausprobieren.

Super lecker ist zum Beispiel die Wildtomate „Johannistraube“, sie trägt unzählige kleine, sehr aromatische Früchte und eignet sich auch sehr gut für den Kübelanbau. Besonders die Kinder lieben sie. Letztes Jahr habe ich zum ersten mal die blauhülsige Stangenbohne „Blauhilde“ ausprobiert. Die dickfleischigen Hülsen werden beim Kochen grün und schmecken sehr aromatisch. „Blauhilde“ war sehr ertragreich und hat den Gemüsegarten mit seinen blauen Blüten und Hülsen etwas bunter gemacht, auf eine bunte Gemüsesaison;-).

Zu beziehen ist biologisches Saatgut im gut sortierten Bioladen, bestimmten Drogerien oder online (z.B. über Biogartenversand.de, dreschflegel-saatgut.de oder bingenheimersaatgut.de).