wieviel Schaden wir beim Kauf von Lederprodukten anrichten?

Schuhe, Taschen, Gürtel, Klamotten, Autositze, Wohnmöbel und sehr vieles mehr wird aus diesem Rohstoff gefertigt. Die Nachfrage nach der gegerbten Tierhaut ist immer noch ungebrochen, denn Leder ist nach wie vor sehr gefragt, hat ein hochwertiges, edles, teures Image und als Rohstoff einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Weltweit werden rund 1,8Milliarden Quadratmeter Leder produziert, über 80% davon wandert in die Modebranche. Bei der Ledergewinnung und Herstellung gibt es gleich mehrere, sehr kritische Aspekte, denen ich mich hier widmen möchte.

Eine giftige Angelegenheit

Als Leder bezeichnet man die gegerbte, äußere Hautschicht (Oberhaut/Dermis) von verschiedenen Tieren. Ca.90% des weltweit produzierten Leders wird mit dem günstigen Chrom(III) gegerbt, also dauerhaft haltbar gemacht. Die Tierhäute werden mit diesem Schwermetall bearbeitet, doch bei unsachgemäßer Anwendung entstehen toxische Chrom(VI)-Verbindungen, die unsere Umwelt stark belasten und bei Körperkontakt Hautkrankheiten, Allergien, sogar Krebs auslösen können und erbgutschädigend wirken. Auch wenn für Deutschland ein Grenzwert festgelegt wurde, wieviel Chrom(VI) Leder enthalten darf, so gilt das nicht für das Ausland. Die Lederimporte aus den Entwicklungsländern wie Indien, Bangladesch, Nepal und Vietnam werden unzureichend kontrolliert, und so gelangen die giftigen Produkte auch zu uns. Die Stiftung Warentest stellte fest, dass in jedem fünften Kinderschuh aus Leder soviel des giftigen Stoffes steckt, dass diese gar nicht hätten verkauft werden dürfen, und das gilt natürlich für sehr viele andere Produkte auch.

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Grausame Tierquälerei und völlig unnötiger Tod

Das äußerst strapazierfähige, reißfeste, atmungsaktive und wärmende Material ist so alt wie die Menschheit selber.Die Steinzeitmenschen benutzten Leder als Schutz vor Kälte, Nässe und rauen Untergründen. Die Leder-Herstellung gilt als ältestes Handwerk der Menschheitsgeschichte und war bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auch sicher wichtig und notwendig, denn es gab keine Alternativen. Aber in unserer heutigen, hochindustrialisierten Zeit, in der es so viele neue, hochwertige Rohstoffe gibt, sollte kein Tier für eine hübsche Tasche qualvoll sterben müssen. Die Fleischindustrie behauptet zwar, dass die Tierhäute ein „Abfallprodukt“ der Fleischproduktion sind und zu Leder verarbeitet, sogar noch sinnvoll zum Einsatz kommen, da die Tiere so komplett verwertet werden. Das entspricht allerdings nicht der Wahrheit und ist mehr als zynisch, denn die Gewinnung von Leder macht die Schlachtung von Tieren noch profitabler. Die Profite der Fleischindustrie hängen nämlich eng mit dem Verkauf der „Abfallprodukte/Nebenprodukte“ zusammen. Der wirtschaftliche Erfolg der Fleischindustrie steht also in direktem Zusammenhang mit dem Verkauf der sogenannten „Nebenprodukte“, wobei die Tierhaut den wirtschaftlich wichtigsten Teil ausmacht. Somit unterstützt also jeder Leder-Konsument mit seinem Kauf direkt die Schlachthäuser und Mastbetriebe.

Neben unseren heimischen Tieren werden auch viele exotische Lebewesen wie Alligatoren, Schlangen, Zebras, Kängurus, Elefanten usw. gezüchtet, gequält und getötet, nur um an ihre Haut zu kommen, die dann zu teuren, unnötigen Luxusartikeln verarbeitet wird. Viele Lederproduzenten für Billig-Lederwaren kaufen ihre Rohstoffe günstig im Ausland, wo die Herstellung mit extremer Tierquälerei, furchtbaren Arbeitsbedingungen und verheerenden Umweltverschmutzungen einhergeht. Da es für Leder keine Kennzeichnungspflicht gibt, kann kein Endverbraucher nachvollziehen, woher sein Produkt tatsächlich stammt.

Die Lederproduktion ist also sowohl in ethischer als auch ökologische Hinsicht eine äußerst problematische, kritische Angelegenheit, die es aus meiner Sicht nicht zu unterstützen gilt. Wir haben viele Alternativen, denn es gibt tolle, nachhaltige Firmen, die Schuhe, Klamotten, Accessoires und andere Konsumgüter aus Materialien anbieten, für die kein Lebewesen qualvoll sterben muss.