wie schädlich Nagellacke wirklich sind?

Jetzt geht der Sommer schon wieder dem Ende zu, und meine Tochter und ich haben uns die letzten Monate fleißig die Nägel lackiert. Ehrlich gesagt habe ich mir schon immer gedacht, dass Nagellack nicht besonders gesund ist, und deshalb habe ich mich einmal ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Ich bin wirklich erschrocken darüber, wie ungesund Nagellack sein kann, und was für tierische und chemische Inhaltsstoffe verwendet werden, um tolle Farbtöne zu erzielen. Es gibt so viele problematische Stoffe, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Was steckt drin im Lack?

Aus aktuellem Anlass fange ich mal mit den neu entdeckten Nitrosaminen in Nagellack an. Nitrosamine sind  Reaktionsprodukte, die bisher nur als Verunreinigungen in Gummiartikeln bekannt waren und als krebserregend gelten. Kürzlich wurden sie erstmals in Nagellacken nachgewiesen, was den Ökotest dazu veranlasst hat, Nagellacke zu testen. In ihrem Test 8/2017 wurden die Nitrosamine ausschließlich in farbigen Lacken gefunden. Nur die zwei getesteten Naturkosmetik Nagellacke konnten mit sehr gut und gut abschneiden. Die restlichen bunten Lacke lagen zwischen befriedigend und ungenügend.

Ein weiteres abwertendes Kriterium waren kritische UV Filter, die eingesetzt werden, um die Lacke in den Fläschchen vor Sonnenlicht zu schützen. Einige Filter stehen im Verdacht hormonell auf den menschlichen Organismus zu wirken. Dazu gehören Benzophenon 1, Octocryten und Etocryten. Punktabzüge hat der Ökotest auch auf das Lösungsmittel Styrol gegeben, welches beim Einatmen gesundheitsschädlich sein kann. Die Stoffe Triphenylphosphat und Acrylate stehen im Verdacht Allergien auszulösen. Früher wurden dem Nagellack Phthalate als Weichmacher hinzugefügt, dieser Inhaltsstoff wird als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Heute wird dieser Stoff durch Acetyltributylcitrat ersetzt. Bisher ist die Wirkung auf die Gesundheit jedoch noch nicht gänzlich geklärt.

Wegweiser im Irrgarten 

Das sind lange nicht alle Stoffe die problematisch sind und für den Leihen ist es wirklich nicht einfach da durchzusteigen.  Eine kleine Hilfe können die Deklarationen „3 Free“, „5 Free“ sein. Die Bezeichnungen bedeuten, das 3 bzw. 5 problematische Stoffe nicht enthalten sind. Der Begriff ist allerdings nicht geschützt, so das der Produzent sich aussuchen kann, welche Stoffe er ersetzt, und dann können immer noch schädlich Inhaltsstoffe im Nagellack enthalten sein.

Außerdem gibt es noch die Bezeichnung „7 Free“, die uns garantiert, dass der Nagellack vegan ist und ohne Tierversuche hergestellt wurde.

Tierleid für die Schönheit!

Da bin ich schon beim nächsten Punkt, der mich echt erschrocken hat. So wird für die meisten Rottöne, sowie Rosa, Lila, Braun u.a. in Nagellacken und auch Lippenstiften Karmin (Cochenille/ CL 75470) benutzt. Dieses rote Pigment entsteht, indem man Schildläuse bei lebendigem Leib ausquetscht. Ein weiterer tierischer Inhaltsstoff ist Guanin, welches ein Effektpigment ist und aus Fischschuppen gewonnen wird. Ein Stoff der in Bio-Nagellacken gerne verwendet wird, ist Schellack. Dieser wird aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus produziert wird. Es ist eine harzige Substanz, die als Überzugmittel genutzt wird.

Und die Konsequenz aus der Geschichte…

Letztendlich muss sich jeder individuell entscheiden, ob er einen Bio-zertifizierten Nagellack verwendet, der nicht vegan ist oder einen „7 Free“, der vegan ist, aber nicht zertifiziert. Denn laut meiner Nachforschung gibt es keinen Nagellack, der beides verbindet.

Also ein echt schwieriges Thema, wo jeder seine eigenen Prioritäten setzen muss. Für mich und meine Tochter ist auf jeden Fall klar, dass wir ab jetzt nur noch veganen Nagellack verwenden und dafür öfter mal eine Erholungspause für unsere Nägel einlegen.