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Bio aus dem Discounter oder doch besser aus dem Bioladen?

19. Januar 2018

Ist euch auch schon aufgefallen, dass es in den Billig-Discountern und Supermärkten immer mehr Bioprodukte zu kaufen gibt? Das Sortiment mit dem sechseckigen Bio-Siegel (oder dem grünen EU-Bio-Blatt) wird stetig größer und umfangreicher, denn die Branche hat verstanden, dass die Nachfrage der Kundschaft (auch der eigentlich konventionell kaufenden Kundschaft) nach Bioprodukten wächst, und da möchten Aldi, Lidl und Co. natürlich auch etwas vom Kuchen abhaben.

Alt eingessene Bioläden haben es deshalb immer schwerer auf dem Markt zu existieren. Zumal die Discounter die Bioprodukte meist deutlich günstiger anbieten als die Bioläden das überhaupt können. Kein Wunder, schließlich kaufen die Discounter in wesentlich größeren Mengen ein, müssen dafür weniger zahlen und können die Waren somit auch günstiger verkaufen.

Aber sind Bioprodukte aus dem Discounter qualitativ gleich zu setzen mit den Artikeln aus dem Bioladen?

Zunächst eimal muss man wissen, dass Produkte, die das EU-Bio-Siegel tragen, die Vorgaben des ökologischen Landbaus erfüllen müssen.

Das heißt verboten sind Gentechnik, Pflanzenschutzmittel und künstliche Düngemittel. Tiere müssen weitestgehend artgerecht gehalten werden, und bei der Verarbeitung von Fleisch-, Milch- und Getreideprodukten dürfen nur wenige Zusatzstoffe verwendet werden. Auf das Siegel ist zwar Verlass, dennoch ist Bio nicht gleich Bio, denn es gibt verschiedene Qualtitätsstufen.

EU-Vorgaben weniger streng als Bio-Anbauverbände

Beispielsweise erlaubt das EU-Bio-Siegel, dass das Futter in der Tierhaltung auch konventionell sein darf. Auf diesem Weg ist es dann aber nicht ausgeschlossen, dass Antibiotikarückstände oder Pestizide ins Tier gelangen und Fleisch und Wurst kontaminieren. Außerdem ist es nicht verboten die Tiere auf engerem Raum bzw. auf weniger Fläche zu halten. Und das EU-Bio-Siegel lässt mehr Zusatzstoffe bei der Weiterverarbeitung der Produkte zu.

Weil verrückterweise manche Lebensmittel aus fernen Ländern oft günstiger sind als unsere heimischen Produkte, kaufen die Discounter zum Beispiel die eigentlich regionalen Kartoffeln aus Ägypten, Äpfel aus Argentinien, Blaubeeren aus Peru oder in Plastik eingeschweißte Gurken aus Spanien. Ein absoluter Wahnsinn und alles andere als nachhaltig! Da sind wir als Verbraucher natürlich gefragt, solche Waren dürfen wir einfach nicht kaufen. Denn, wo es keine Nachfrage gibt, da gibt es bald auch kein Angebot mehr.

Die Anbauverbände Demeter, Bioland und Naturland sind da viel strenger und haben wesentlich tier- und menschenfreundlichere Richtlinien (deshalb wird dieses Bio auch „Premium-Bio“ genannt). Hier spielt der ganzheitliche Nachhaltigkeits-Gedanke eine große Rolle. Regionalität, Saisionalität und das Tierwohl haben Priorität. Natürlich sind die Anbauverbände gegen das „Billig-Bio“ (so werden die Bioprodukte der Discounter bezeichnet) in den Discountern, denn diese drücken die Preise erheblich, nutzen damit Menschen und Umwelt aus und suggerieren den Kunden, dass Bioprodukte immer billiger zu bekommen sind. Aber billiger als billig geht eben nicht, wenn der ganze Prozess vom Anbau über die Weiterverarbeitung bis hin zum Verkauf fair, sozial und in der Hinsicht ökologisch vonstatten gehen soll. Da muss man kein Rechenkünstler sein.

Fazit

Aber natürlich muss man sagen, dass der Trend immer mehr Bioprodukte zu kaufen so oder so positiv zu bewerten ist. Schließlich ist es wesentlich besser Bio vom Discounter zu kaufen als kein Bio, das auf jeden Fall. Das sogenannte „Billig-Bio“ macht Bioprodukte eben auch für alle Bevölkerungsschichten zugänglich, nicht nur für die Besserverdiener. Und sicher habt ihr auch schon das ein oder andere Produkt im Discounter gesehen, dass Demeter zertifiziert ist, ja es gibt das „Premium-Bio“ auch ab und zu dort.

Aber jeder von uns sollte sich trotzdem bewußt machen, dass jeder Euro, den wir bei Penny und Co. ausgeben, dem Unternehmen zugute kommt. Und das unterstützt eben die Massenproduktion, Preisdumping und die konventionelle Landwirtschaft. Wenn möglich sollten wir deshalb doch lieber die echten kleinen Bio- und Hofläden unterstützen, damit tuen wir nicht nur uns, sondern auch unsere Umwelt einen großen Gefallen.

Wie seht ihr diese Problematik?

 

 

 

 

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