Naturkosmetik

Siegel Wahnsinn

8. Februar 2017

Immer mehr Menschen legen Wert auf Natürlichkeit und greifen häufiger zu Naturkosmetik-Produkten. Ich habe mich gefragt, wieviel „Bio“ steckt denn eigentlich in meiner Naturkosmetik? Dabei musste ich als erstes einmal feststellen, dass das Wort „Naturkosmetik“ kein geschützter Begriff ist. Das heißt, dass ihn jeder benutzen darf. So findet man in der Drogerie beispielsweise Produkte, die mit Naturkosmetik werben, jedoch nicht als diese zertifiziert sind. Das bedeutet für mich als Verbraucher „Augen auf“.

Es gibt viele verschiedene Siegel die Naturkosmetik durch bestimmte Vorgaben untermauern. Die bekanntesten Labels: BDIH, Ecocert und NATRUE. Zudem werden wir in Zukunft das COSMOS Siegel häufiger sehen. COSMOS ist ein weltweiter Standard für Natur- und Biokosmetik, der schon 2010 in Kraft getreten ist und ab dem 1.1.2017 für Mitglieder verpflichtend ist für alle Neuentwicklungen von Natur- und Biokosmetik. Zu COSMOS gehören BDIH, Ecocert, Cosmebio, ICEA und Soil Association. Ihre Siegel bleiben und werden mit dem Begriff „COSMOS natural“ oder „COSMOS organic“ ergänzt. Als Leihe weiß ich in der Regel nicht, welche Richtlinien die einzelnen Zertifizierungsstellen haben, deswegen habe ich sie bezüglich des Bioanteils für euch unter die Lupe genommen. Dabei musste ich feststellen, dass Naturkosmetik nicht mit Biokosmetik gleichzustellen ist. Die Siegel sind alle in verschiedene Abstufungen eingeteilt. Bei allen darf eine Kosmetik als „Bio“ zertifiziert werden, wenn 95% der pflanzlichen Inhaltsstoffe in Bioqualität eingesetzt wurden. In diesem Fall wird das Label mit dem Begriff „Biokosmetik“ erweitert.

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Ecocert

Das bekannte Naturkosmetiksiegel Ecocert schreibt dem Hersteller vor, das er 50% der pflanzlichen Inhaltsstoffe und 5% der gesamten Inhaltsstoffe aus ökologischem Anbau verwenden muss.

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BDIH

Das gängige BDIH Siegel für Naturkosmetik hat ca. 15 Öle und Heilpflanzen (wie Jojoba und Ringelblume) festgelegt, die immer in Bioqualität verarbeitet werden müssen.

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Cosmos organic / Cosmos naturel 

Für die Neuentwicklungen von Ecocert und BDIH gelten dann zusätzlich die Vorgaben des Dachverbandes Cosmos, wobei hier für die normale Naturkosmetik kein Bioanteil verpflichtend ist, jedoch ein Mindestanteil an natürlichen Rohstoffen. Um das Cosmos organic Siegel zu bekommen, müssen 95% der Inhaltsstoffe aus der Landwirtschaft Bio-Qualität haben und bestimmte Stoffe müssen immer Bio sein, wie etwa Sheabutter, Jojoba-und Sonnenblumenöl. Außerdem sollten 20% des ganzen Produktes biologischen Ursprungs sein.

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Natrue

Das Nature Label ist in drei Kategorien eingeteilt. Das erste und niedrigste Zertifizierungsstufe steht für Naturkosmetik, bei der zwar strenge Regeln gelten, was die Inhaltsstoffe und deren Verarbeitung betrifft, aber kein Bioanteil vorgegeben wird. Die Stufe 2 steht für Naturkosmetik mit Bioanteil. Hier müssen 70% der aus pflanzlichen und tierischen Ursprungs stammenden Inhaltsstoffe aus biologischer Erzeugung oder kontrollierter Wildsammlung sein. Die 3. Stufe steht für Biokosmetik, hier müssen 95% der pflanzlichen Inhaltsstoffe Bioqualität haben.

Früher konnte ich als Verbraucher die verschiedenen Zertifizierungsstufen von NATRUE an der Anzahl der Sterne erkennen. Heute kann ich die Qualität an der zusätzlichen Ergänzung des Labels durch „Naturkosmetik mit Bio-Anteil“ oder „Biokosmetik“ erkennen. Diese Kennzeichnung ist jedoch keine Pflicht für die Hersteller, berichtet mir Krystel van Hoof von NATRUE. Das macht es für mich allerdings etwas undurchsichtig. Ich habe im Bioladen und der Drogerie mal die Produkte auf ihre Siegel untersucht und war erstaunt, dass Firmen wie Dr. Hauschka und Weleda auf ihren Produkten nur das BDIH Logo oder das NATRUE Label der 1. Stufe haben, jedoch selten den Zusatz „Biokosmetik“. Ich bin immer davon ausgegangen, dass diese Firmen großen Wert auf „Bio“ legen und frage mich, warum die Produkte nicht als diese zertifiziert sind. Deswegen habe ich mich erkundigt. Sven Gehring von Dr. Hauschka sagt, dass sie immer höchstmögliche Qualität ihrer Produkte anstreben. „Hierbei legen wir jedoch das Augenmerk nicht auf eine möglichst hohe NATRUE-Stufe oder alleine auf den Bioanteil der Rohstoffe. Vielmehr beziehen wir auch soziale, regionale und weitere Nachhaltigkeitskriterien in unserer Auswahl mit ein.“ Hinzu kommt, dass in manchen Produktkategorien wie der dekorativen Kosmetik, bestimmte Inhaltsstoffe nicht biozertifizierbar sind. Auch Weleda antwortet damit, dass sie, wann immer möglich Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau, biologisch-dynamischen Anbau oder Wildsammlung verwenden. Laut Christina Berghus aus dem Hause Weleda ist ein Großteil ihrer Naturkosmetik als Naturkosmetik mit Bioanteil oder als Biokosmetik zertifiziert. Schade ist nur, dass dies, wie bei Dr Hauschka, auf den Verpackungen nicht als diese deklariert sind. Auf Nachfrage, heißt es, dass bei Lieferengpässen von Biorohstoffen beispielsweise aufgrund von Dürreperioden, eine größere Flexibilität gegeben ist. Somit können die Verpackungen weiter benutzt werden, auch wenn sich die NATRUE Stufe ändert.

Wenn es euch interessiert, welche NATRUE Einstufung eure Kosmetik hat, könnt ihr die Stufen tagesaktuell  unter www.natrue.org nachlesen oder auf Kosmetik setzen, die direkt als Biokosmetik erkennbar ist. Dazu gehören Firmen wie die Taoasis Naturduftmanufaktur, Martina Gebhardt oder Santa Verde. Also beim nächsten Einkauf einfach das gewünschte Produkt etwas genauer unter die Lupe nehmen. Die genannten Siegel haben natürlich noch viel mehr Vorgaben als ich hier beschrieben habe, mir ging es hier hauptsächlich um den Bio-Anteil in unserer Kosmetik.

 

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